Die Auswirkungen unserer heutigen Überschleunigung

...oder: „Eine wahre Geschichte über eine Transformation von Zerstörung hin zur Erfüllung“


Wer kennt ihn nicht, den Alltagsstress? Wir hechten von einer Aufgabe zur nächsten, das Handy piept und leuchtet, E-Mail hier, WhatsApp da und wir flitzen von einem Termin zum nächsten. Ununterbrochen „geben wir Gas“, wir machen das Unmögliches möglich, weil der Chef es so möchte, wir ackern den ganzen Tag, gehen raus wenn es noch dunkel ist und kommen Heim, wenn es wieder dunkel wird, und der Rest, das ist dann unsere „Freizeit“. In dieser versuchen wir uns dann natürlich noch selbst zu optimieren bis zum Anschlag, denn nicht nur der Job soll perfekt erfüllt werden, sodass wir Lob und Anerkennung erhalten, sondern auch unsere Fitness, unsere Figur, unsere Ernährung, Kinder, Partner, Familie, Freunde, jeder soll zufrieden mit uns sein und das Leben soll dann so schön sein, wie es ja auch bei anderen der Fall ist. Ein Blick auf Instagram, Facebook & Co. bestätigt uns, dass unsere Bemühungen „normal“ sein müssen, dass das überhöhte Tempo „normal“ ist und, wenn wir uns noch ein bisschen mehr anstrengen, dann könnten wir gleich ziehen und dazu gehören.


Doch wo bleiben wir mit unseren Bedürfnissen nach Ruhe, Erholung, Entspannung, tiefgründigen Gesprächen (für die wir weder Ruhe noch Zeit finden) oder danach das Buch zu lesen, das uns vorwurfsvoll vom Nachttisch entgegen schielt (für das wir aber immer zu erledigt sind)? Wollten wir nicht auch schon lange diesem Podcast und jenem Hörbuch lauschen, den Spaziergang im Wald machen, die Nase in die kühle Luft recken und einfach nur das Rascheln der Baumspitzen und den (noch verbliebenen) Vögeln zuhören? Ach verflixt, aber es ist ja so wenig Zeit, das kann man unmöglich auch noch schaffen, die Ruhe auch noch einzubauen, das wäre dann ja schon ganz schön stressig. (Wer findet hier den Fehler?)


Wer von euch fragt sich denn täglich: Wie fühle ich mich heute eigentlich und was brauche ich, damit es mir gut geht?


Kaum einer stellt sich diese Fragen. Keine Zeit! Denn wir geben ja „Gas“ und hecheln und hechten – ja was eigentlich? unserem Lebensideal? - hinterher und vergessen dabei das Leben zu genießen. Ich meine dieses eine – kurze – Leben, also das einzige, das wir haben.


Leben bedeutet doch auch wahrnehmen, genießen, dankbar sein, Freude, Fülle, Liebe, Verbundenheit und ja klar, natürlich auch Gas zu geben aber auch sich die Zeit zu nehmen einmal anzuhalten. Stop. Pause. Können wir denn nicht auch in Zeitlupe manches überhaupt erst richtig erkennen?


Es geht um die BALANCE von Anspannung und Entspannung und darum dem unterschwelligen Leistungsdruck auch mal zu widerstehen. Wer diese Balance nicht findet, riskiert in ein ungesundes Ungleichgewicht zu geraten. Egal, ob man nun überschleunigt und überfordert oder maßlos unterfordert ist, beides ist auf Dauer ungesund und kann eskalieren und sich irgendwann negativ manifestieren.


Ich bin da das Paradebeispiel, das ist keine Theorie, über die ich hier schreibe. Durch eben diese, heutzutage allgegenwärtige, Überschleunigung bin ich eines Tages krank geworden. So richtig krank. Unheilbar chronisch krank hieß es damals, oder anders ausgedrückt, ich hatte die Autoimmunerkrankung „Hashimoto“ bei der Dein Körper Antikörper bildet, die versehentlich die eigene Schilddrüse angreifen und sukzessive zerstören. Alles nur, weil ich mich zu Höchstleistungen angetrieben habe - höher, schneller, weiter, perfekter. Und, weil ich mich innerlich leer und äußerlich irgendwie unsichtbar gefühlt habe (mit anderen Worten: ich war Dauersingle). Ich hatte nur noch die Arbeit während meine Freunde auf Parties waren, was jedoch meine Leere auch nicht mehr zu füllen vermochte – alles zu anstrengend, selbst der Spaß. Also wollte ich bei der Arbeit dann alles zur Zufriedenheit machen, u.a. für jemanden, der selbst scheinbar niemals zufrieden war. Es war ein Kampf nach Anerkennung, den ich unmöglich jemals gewinnen konnte.


Aus heutiger Sicht sehnte ich mich in Wirklichkeit nicht nach noch mehr Geld, oder mehr Bergen von Papierkram und mehr Aufgaben, die mich an den Rand der Verzweiflung brachten, (die ich dann aber doch immer wieder löste – vielleicht auch zur Befriedigung des eigenen Egos, getreu dem Motto „ich bin wichtig“, „ohne mich geht’s nicht“ und nicht nur für den Chef). Nein, eigentlich sehnte ich mich nach Nähe, nach Sinnhaftigkeit, Freude, Erfüllung, nach Wert. Danach WIRKLICH gesehen und geliebt zu werden, ohne dass ich irgendetwas leisten musste, einfach um meiner selbst willen.


Ich dachte, dass wenn ich nur den richtige Mann fände, er mir all das endlich geben würde, wonach ich so sehr dürstete, doch es kam niemand, wann auch, ich war ja so gestresst und hatte keine Energie auszugehen, um jemanden kennen zu lernen und selbst wenn, was habe ich ausgestrahlt? Bestimmt nichts, das auch nur ansatzweise sexy war!


Und das 6. Jahr Single-Trauer-Dasein brach an... ein nie enden wollendes Trauerspiel. Niemand konnte verstehen, warum „so eine tolle Frau“ alleine sei, das bekam ich öfters zu hören. Mitleid auf mein Selbstmitleid oben drauf. Dabei war ich eigentlich immer eine Frohnatur, von Innen heraus immer happy, ein Sonnenschein, eine Optimistin! Aber nun, sah ich in den Spiegel und fragte mich immer und immer wieder: „Wer, verdammt, bin ich und warum bin ich überhaupt hier?“ - Stille. Nichts. Nada. Als sei die Antwort in ein schwarzes Loch gesogen worden, sodass sie mir auf ewig verwehrt bliebe.


Es wurde enger im Hals, wortwörtlich, denn die Schilddrüse machte mir Schluckbeschwerden und das war nun mein greifbar gewordenes Symbol für meinen Zerfall, menthal, emotional und körperlich. Wenn es besonders stressig war, wurde es umso schlimmer, aber vielleicht war es gut so, denn endlich bemerkte ich spürbar, dass etwas komplett aus dem Ruder lief.


Ich fühlte mich gefangen im Teufelskreis, gefangen in der Abwärtsspirale! Selbstvorwürfe kamen auf: „Das hast Du ja toll hinbekommen! Einsamkeit, Stress, chronisch krank, Panikattacken, Haarausfall, 12 kg zugenommen, Hautprobleme, Gedächtnislücken, Hirnnebel, dauernd erkältet, Schlaflosigkeit über fast 2 Jahre hinweg und 1.000 Sachen mehr. Herzlichen Glückwunsch!“


Wie es dazu kam? Ich weiß heute, die Balance fehlte und das in ALLEN Bereichen. Und auch einfach die Verbindung zu mir selbst. Ich konnte mir ja nicht einmal beantworten, wer ich war und warum ich überhaupt lebte! Das habe ich ja immer schön betäubt, ob mit dem Dauerstress oder davor mit dem Partylärm, Kaufsucht, etc. Ich glaube, so geht es vielen anderen auch da draußen. Das Leben übertönt diese zarte innere Stimme, die Dir genau sagen könnte, was gut für Dich ist oder nicht, aber wir hören nicht hin... wir irren lieber wie dauerhungrige Zombies durchs Leben, auf der ewigen Suche im außen, obwohl wir doch alles, was wir brauchen, in uns selbst finden könnten.


Die Wahrheit ist, es ist nicht der Partner eurer Träume, durch den dann alles anders und alles wieder gut wird. Sondern, ihr habt es ganz allein in der Hand. Ich hatte es ganz allein in der Hand. Ich musste Verantwortung übernehmen. Für meine Gefühle, für meine Gesundheit, für das Arbeitspensum, den Stress, für mein Leben das mir nicht gefiel.


Alles hängt mit allem zusammen und ich habe es mir offensichtlich so ausgesucht und dieses Leben "verursacht", aber nun entschied ich mich aufzuhören zu jammern, anzunehmen was ist und Verantwortung zu übernehmen. Und endlich traute ich mich „Nein“ zu sagen, zu allem, was mir nicht taugte und ging von nun an pünktlich in den Feierabend. Ich lernte mich zu erholen, ich lernte was gesundes Essen bedeutete. (Es ging zum ersten Mal in meinem Leben nicht um Kalorien, eine Diät und die Figur, sondern einzig um mein Wohlbefinden! Und wisst ihr was? Nebenbei nahm ich ab, obwohl ich vorher wegen der Schilddrüse nur noch zunehmen konnte und mir selbst einen RIESEN STRESS wegen meines Aussehens machte!). Ich lernte wie viel Bewegung mir gut tat und ich lernte auf meinen Körper zu hören, ihn zu lieben – auch wenn er mir nun pummeliger denn je im Spiegel entgegen baumelte.


Ich lernte über Podcasts, Bücher, und positive Leitfiguren, die ich mir bewusst suchte, und über jede Menge Trial and Error, was mir half gesünder und glücklicher zu werden. Ich lernte dankbar zu sein dafür, was mein Körper trotz all der krankheitsbedingten Symptome tagtäglich für Wunder leistete und das ohne Pause. Ich lernte durch Meditation meine Gedanken zu beobachten und lernte lieb über mich zu denken (zuvor war ich ziemlich gemein zu mir selbst und das hatte ich noch nicht einmal bemerkt). Ich lernte mich zu wertschätzen und bekam Selbstvertrauen (mit 37 Jahren, aber hey, besser spät als nie!). Ich lernte mich selbst noch einmal neu kennen und konnte mich nach vielen Jahren endlich mal wieder spüren. Und kaum hatte ich mich auf den Weg gemacht, da kam auch eine neue Liebe in mein Leben und sie hält bis heute.


Endlich war ich im Frieden, in der Fülle statt im Mangel. Alles wurde besser und besser, alle Lebensbereiche kamen in Balance und ich begriff endlich die Verbindung zwischen all diesen Bereichen und, wie sie sich gegenseitig beeinflussten. Da begann ich für „Holistische Gesundheit“ zu brennen und ich verstand die Auswirkungen meines Lifestyles auf meine Gesundheit, ich entwickelte ein "Wheel of Life" System, das meine persönlichen Grundwerte für ein gesundes Leben abdeckte. Beeinflusst wurde ich auf diesem Weg von vielen Büchern, Podcasts, Videos, Artikeln, Kursen und Ausbildungen – diese intrinsische Motivation ebbte seither nicht mehr ab, im Gegenteil - diese gute Energie lässt mich weiter wachsen und gedeihen, wofür ich sehr dankbar bin.


Heute bin ich, bis auf eine kleine Schilddrüsenunterfunktion, die von der Hashimoto-Zeit zurück behalten habe, topfit, obwohl mir Unheilbarkeit prognostiziert wurde. Ich bin schon über 5 Jahre in einer glücklichen Beziehung, obwohl ich hinter vorgehaltener Hand als hoffnungsloser Single galt, ich hatte den Mut mich selbständig zu machen und nur das zu tun, was ich liebe, obwohl ich vor nur wenigen Jahren kaum Selbstbewusstsein hatte. Ich habe viele Süchte in meinem Leben überwunden (Magersucht, Partysucht, Kaufsucht, Arbeitssucht...) und erschaffe mir täglich mehr und mehr das Leben, das ich mir wünsche und das mich glücklich macht. Aus diesem Glück heraus entstand der Wunsch anderen Menschen zu helfen, Ihnen durch meine Erfahrungen und all mein angereichertes Wissen zu dienen. Das nun machen zu dürfen, macht mich unendlich demütig, dankbar und erfüllt! Und wenn ich in den Spiegel schaue und frage „Wer bist Du und warum bist Du hier?“, habe ich eine Antwort, bei der meine Augen vor Begeisterung leuchten.


Ich bin ein ganz normaler Mensch mit tausend Fehlern, Herausforderungen und Möglichkeiten. Wenn ich das (er)schaffen konnte, dann kannst Du das auch! Du brauchst nichts dafür, außer Deine Bereitschaft Verantwortung für Dein Leben zu übernehmen und den Mut die Schritte zu gehen, die nötig sind und, es braucht etwas Geduld einen Schritt nach dem anderen zu tun. Aber nur, wenn Du die Schritte auch selbst gehst (also ins Tun kommst), wirst Du in Deine ganz eigene BALANCE finden. Nicht nur zur Balance, sondern auch zu mehr Selbstliebe, denn dass Du Dich auf den Weg machst, das ist ein Akt der Liebe – zu Dir, ebenso wie zum Leben selbst.


Und, falls Dir dieser Weg zu steinig ist, diene ich Dir gerne als Dein Vehikel.


In diesem Sinne: 3, 2, 1 - go!


Deine Dodo <3


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(Foto credits: Ian Epinosa/Unsplash)



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